Nach einer problemlosen Reise, bei der eine Zwischenübernachtung in Kopenhagen notwendig war, konnte am Donnerstag, den 16. Oktober zum ersten Mal grönländischer Boden für die Musiker aus Deutschland betreten werden. Nach dem Bezug der angemieteten Appartements fand am Abend eine erste gemeinsame Probe mit dem Nordisk Koncertkor statt. Schnell wurde klar, dass beide Chöre gut miteinander harmonierten, das Brahms-Requiem musikalisch gut vorbereitet war und die gemeinsame Arbeit schöne Früchte tragen würde.
Die Probenarbeit wurde mit ganztägigen Einheiten am Freitag und Samstag fortgesetzt, wobei nach und nach die weiteren Elemente der besonderen Aufführungsform des Brahms-Requiems hinzukamen: zunächst fanden Proben mit den beiden aus Deutschland mitgereisten Gesangssolisten Ute Engelke (Sopran) und Manfred Bittner (Bass) statt, dann wurden die traditionellen grönländischen Rahmentrommeln („Qilaut“) anstelle klassischer Konzertpauken eingeführt und zu guter Letzt kamen die Kompositionen grönländischer Jugendlicher hinzu, die in die Aufführung integriert wurden. Intensive und emotionale Probenarbeit charakterisierten diese Tage, die das Bewusstsein stärkten, dass die langfristigen Planungen in das Experiment der musikalischen Klangwelten-Begegnung funktionierten.
Am Samstagabend fand ein erstes Begegnungskonzert der beteiligten Musiker und Ensemble statt. Neben den beiden Chören und den jungen Musikern aus Uummannaq traten auch die Gesangssolisten, das Trio „Arctic Echoes“ und der Pianist Simon Kasper auf. Musik aus den unterschiedlichsten Repertoires der Ensemble trafen aufeinander und machten diesen Abend sowohl für die rund 75 Mitwirkenden als auch die zahlreich erschienen Gäste zu einem großartigen Erlebnis buntester Musikvielfalt.
Der Haupt-Konzerttag war Sonntag, 19.10. Dieser Tag begann zunächst mit einem gemeinsamen Gottesdienst unter der Leitung von Apostel David Heynes aus London. Er predigte über das Bibelwort aus Johannes 14,1, die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes wurde gemeinsam vom Kammerchor Wilhelmshaven und Sängern des Nordisk Koncertkores mit dänischen Gesängen vorgenommen sowie Einzelvorträgen Jugendlicher aus Uummannaq.
Am Nachmittag war es dann soweit und die Aufführung des Deutschen Requiems im großen Kulturcentrum von Nuuk, dem „Katuaq“ stand an. Hierfür hatte Chorleiter Gerrit Junge nicht den eigentlichen Veranstaltungssaal, sondern das architektonisch spannende Foyer des Gebäudes gewählt. Akustisch und optisch eine hervorragende Konzertlocation, die sich vor Veranstaltungsbeginn zunehmend füllte. Aleqa Hammond, ehemalige Ministerpräsidentin von Nuuk und gute Freundin von Gerrit Junge, begrüßte das Publikum und stellt die mitwirkenden Künstler vor. Dabei hob sie den Wert der Kulturbegegnung hervor und schilderte die Entwicklung, wie es zu diesem Austausch gekommen ist. Das grönländische Fernsehen des Senders knr zeichnete das Konzert auf, das mit Veranstaltungsbeginn vor vollem Haus begann und sich mit Dauer des Vortrages immer weiter füllte. Insgesamt rund 450 Menschen erlebten einen einzigartigen Konzertnachmittag mit der Erstaufführung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms in Grönland und einer besonderen Verknüpfung unterschiedlicher Trauermusikkulturen. Insbesondere das gemeinsam von allen Akteuren gesungene grönländische Stück „Qujavunga“ rührte zahlreiche Besucher zu Tränen.
Der Abend klang mit einem „Bunten Abend“ aller Akteure aus, bei dem vor allem die kulinarische Begegnung im Mittelpunkt stand. So trugen alle Mitwirkenden etwas zu einem gemeinsamen Buffet bei, bei dem es vor allem für die deutschen Gäste mit diversen Fisch-Spezialitäten einiges neu zu entdecken gab.
Am Montagvormittag stand neben einer kurzen Vorbereitungsprobe noch ein weiteres Konzert auf dem Programm des Kammerchores: mit rund 300 Schülerinnen und Schülern wurde im Foyer des Nuuker Gymnasiums „GUX“ ein Singalong Konzert durchgeführt. Gemeinsam wurden dort Hits wie „Let it be“ oder „Creep“ gesungen.
Der Nachmittag und Abend stand schließlich den Reisenden für individuelle Ortserkundungen zur Verfügung, die in unterschiedlicher Weise in der Altstadt von Nuuk, auf dem Wasser oder bei diversen Wanderungen genutzt wurden.
Mit diesen vielfältigen Eindrücken im Gepäck machte sich der Kammerchor am Dienstagvormittag wieder auf den Heimweg und wurde von den Jugendlichen aus Uummannaq am Flughafen von Nuuk noch mit einem spontanen Überraschungskonzert verabschiedet.
Neuapostolische Kirche