Von Verfolgung, Steinigung und aufgehenden Samen
Ich gebe zu, dass ich als eine von 120 SängerInnen des Projektchores nicht immer davon überzeugt war, dass es uns gelingt, etwas mehr als Durchschnittliches auf die Beine zu stellen. Die Probenzeit von nicht ganz einem halben Jahr war in meinen Augen sehr knapp und nach der ersten gemeinsamen Probe von Chor und Orchester unter nicht optimalen Akustikbedingungen fühlte ich mich nicht bereit, nur ein paar Wochen später ein Konzert zu singen. Doch spätestens beim ersten Konzert in der Paul-Gerhardt-Kirche in Leipzig fügte sich alles zu einem Ganzen zusammen. Der Chor in Harmonie mit den überragenden drei Solisten Johanna Ihrig (Sopran), Christian Pohlers (Tenor) und Lars Conrad (Bariton), begleitet und untermauert vom vielseitigen Orchester und die Stimme von Jürgen F. Schmid, der die Geschichte um Paulus „rund“ machte, begeisterten offenbar nicht nur die ZuhörerInnen, sondern auch den extra nach Leipzig angereisten Komponisten des Werkes Klaus Heizmann. Seine Worte, die Aufführenden würden erkennbar glauben, was sie vortrugen, blieben besonders im Gedächtnis und begleiteten durch die kommenden beiden Konzerte.
Eine Zuhörerin berichtete im Nachgang: »"Steinige, steinige, steinige, steinige, steinige ihn!" Mit voller Gewalt von Becken, Pauken und Trompeten treffen diese Worte voll ins Mark. "Wer nicht so glaubt und denkt wie wir, der muss weg!" – das wird vom Chor in einem Sprechchor rhythmisch gerufen und bringt mich emotional auf eine Demo von heute. Darauf folgen wieder eingängige Melodien, die ich sofort mitsingen könnte.«
Sowohl am 18. Mai in Leipzig als auch zwei Wochen später in Braunschweig und Brandenburg wurde die jeweilige Aufführung mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations belohnt. Man sagt, dass der Applaus der eigentliche Lohn des Künstlers sei, doch für uns Mitwirkende war das begeisterte Klatschen nur eine Art Zwischenstopp auf dem Weg zur eigens einstudierten Zugabe „Ich will den Herrn loben“. Dieses eingängige Lied bleibt im Kopf und unterstrich, dass vor allem ER dieses Projekt neben unseren Dirigenten Jens Petereit und Manuel Helmeke sowie den vielen Organisatoren und Sponsoren möglich gemacht hat. Der wahre Lohn und das bleibende Geschenk ist aber, dass aus den knapp 175 Mitwirkenden mit ihren unterschiedlichen Gaben eine große Paulus-Familie geworden ist. Um es mit den inzwischen vielzitierten Worten aus dem Oratorium zu sagen: „Aus Kleinem wird Großes, der Same geht auf. Gott setzt viele Herzen in Brand.“ Danke dafür.
Katharina Prenzel & Martina Krämer
Neuapostolische Kirche